Körperkolumne Teil 3 - Die Plazenta

Wir, unser Körper und Geist, sind ein wahrhaftiges Meisterwerk. Wir als Menschheit sind weit davon entfernt die Komplexität unseres Körpers wirklich zu verstehen, so durchdacht und ineinander verwoben wurden wir von der Natur kreiert.

Wie oft kritisieren wir unseren Körper, beschweren uns über ihn oder kämpfen gegen ihn an: die enge Hose, die nicht passt, der Pickel im Gesicht oder einfach die Tatsache, dass unser Körper nicht endlos Höchstleistung bringen kann.

Dabei ist eins außer Frage: unser Körper ist Loyalität in Person, denn so lang wir leben, arbeitet unser Körper IMMER für uns.

In der Körperkolumne tauchen wir jeden Monat kurz, knackig und tief in deinen Körper ein, damit du dich erinnern darfst: Du bist ein Wunder der Natur!

Heute geht es um ein absolutes Meisterwerk : die Plazenta!


Die Plazenta, oder der Mutterkuchen, ist ein Organ, welches sich während der Schwangerschaft in der Gebärmutter bildet. Sie ist das einzige temporäre Organ in unserem Körper, ist in etwa so groß wie dein Frühstücksbrötchen (nur viiiiel nährstoffreicher!) und wiegt ungefähr ein halbes Kilo.

Das Faszinierendste ist, dass nur durch dieses Organ eine Schwangerschaft, wie wir sie kennen, überhaupt möglich und damit unsere Evolution gesichert ist! Yes!

Die Plazenta ist wie ein Filtersystem, das Sauerstoff und Nährstoffe von der Mutter zum Kind und CO2 und Stoffwechselendprodukte in die andere Richtung passieren lässt und nebenbei noch Hormone für Mutter und Kind produziert. Dank der Plazenta kann sich der genetisch grundverschiedene Embryo gut versorgt im Mutterleib entwickeln.

Aus immunologischer Perspektive ist dies ein absolutes Wunder, da unser Körper normalerweise alles, was nicht zu uns gehört, abstößt.

Doch aufgepasst: dieses Wunder gab es nicht immer!


Wollte man sich vor Plazentas’ Zeiten fortpflanzen, musste man ein Ei legen.

Zumindest so lange bis sich, Wissenschaftlern zufolge, vor ein paar hundert Millionen Jahren ein Wirbeltier mit einem Retrovirus (bekanntestes Retrovirus ist übrigens das HI-Virus) infiziert hat. Das Retrovirus hat sich in dessen Eizelle niedergelassen, die dann wiederum von einem freudigen Spermium befruchtet wurde. Das virale Erbgut hat es sich in den Zellen des Embryos bequem gemacht, doch anstatt es zu töten hat es uns ein Upgrade verpasst. Über die nächsten paar Millionen Jahre und ein paar Mutationen hinweg hat sich das virale Protein soweit entwickelt, dass wir keine Eier mehr legen müssen, sondern dass ein kleiner, neuer Mensch in unserem Körper heranwachsen kann.

Übrigens haben Biologen nicht nur in der Plazenta Überbleibsel vergangener viraler Infektionen gefunden...


Sieht so aus, als ob wir schon seit langer Zeit mit Viren zusammenwohnen.

Was die virale DNA dabei für uns tut, ist zwar für den großen Teil noch ein Mysterium, aber dass wir heute keine Eier mehr legen müssen ist schonmal ganz nett.


In diesem Sinne: Auf dich und das Wunder, das du bist!


- Jella